Eine neue Art des Denkens

‘Wenn unser Wahrnehmen und Handeln weiterhin durch das Weltbild des kartesischen Dualismus*, d.h. der Trennung von Geist und Materie geprägt ist, ist es sehr wahrscheinlich, daß wir die Welt als Gott gegen die Menschen; Elite gegen das Volk; die auserwählte Rasse gegen die Anderen; Nation gegen Nation und der Mensch gegen die Natur betrachten und empfinden.
Es ist zweifelhaft, ob eine Spezies fortbestehen kann, die sowohl eine hochentwickelte Technologie besitzt, als auch diese eigenartige Art die Welt zu betrachten… Unser gesamtes Denken bezüglich dessen, was wir sind und was andere sind, muss neu entworfen, neu konstruiert werden. Das ist kein Scherz und ich bin mir nicht sicher wieviel Zeit wir haben, um das zu tun. Wenn wir unter den Vorsätzen weitermachen, die während der Prä-Kybernetischen** Ära Mode waren und die besonders in der Zeit der industriellen Revolution unterstrichen wurden, die wiederum die darwinistischen Aussagen bezüglich des Überlebens zu rechtfertigen und zu bekräftigen schien, dann haben wir vielleicht zwanzig bis dreissig Jahre bevor uns die logische reductio ad absurdum zerstören wird.
Niemand weiss wieviel Zeit uns unter dem derzeitigen System bleibt, bevor irgendein Desaster über uns hereinbricht, das weitreichender ist, als die Zerstörung einer Gruppe oder einer Nation. Die wichtigste Aufgabe, die sich heute stellt, ist vielleicht, zu lernen, auf eine neue Art und Weise zu denken.’

Worte von Gregory Bateson (1904-1980), Anthropologe, Wissenschaftler und biologischer Philosoph

*Im 17. Jahrhundert begründete Rene Descartes seine Vorstellung von der Natur auf der fundamentalen Trennung zweier unabhängiger Bereiche – dem des Geistes, das ‚denkenden Dings’ (res cogitans), und dem der Materie, des ‚ausgedehnten Dings’ (res extensa). Diese begriffliche Trennung von Geist und Materie hatte und hat grosse Auswirkungen auf die Entwicklung der westlichen Wissenschaft, Philosophie und Weltanschauung. **http://en.wikipedia.org/wiki/Cybernetics